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Ernährung

Ist rotes Fleisch gesund? Die Wahrheit hinter den Schlagzeilen

Rotes Fleisch auf dem Grill

Ist rotes Fleisch gesund? Die Wahrheit hinter den Schlagzeilen

Rotes Fleisch ist nicht automatisch ungesund. Entscheidend ist, um welches rote Fleisch es sich handelt – und wie stark es verarbeitet wurde. Ein Stück Wild oder ein Weidesteak hat mit einer Salami oder einem Hotdog kaum etwas gemeinsam, außer der Farbe.

Du hast wahrscheinlich Schlagzeilen gelesen wie „WHO: Rotes Fleisch erhöht Krebsrisiko“ oder „Studie warnt vor rotem Fleisch“. Solche Nachrichten lassen viele Menschen verunsichert zurück – vor allem, wenn sie gern Rindfleisch essen oder Wildgerichte schätzen. Soll man das jetzt wirklich aufgeben?

Ob rotes Fleisch gesund ist, hängt davon ab, was Du kaufst – und das fehlt in fast jeder Schlagzeile. In diesem Artikel erklären wir, warum die meisten Studien zu rotem Fleisch systematisch in die Irre führen – und welches Fleisch Du ohne schlechtes Gewissen essen kannst.

Kurz zusammengefasst:

  • Verarbeitetes rotes Fleisch (Wurst, Salami, Hotdog) ist aus gesundheitlicher Sicht problematisch
  • Naturbelassenes Weidefleisch und Wild sind nicht ungesund – im Gegenteil
  • Die meisten Studien und Schlagzeilen unterscheiden diese Kategorien nicht
  • Das Omega-3/Omega-6-Verhältnis im Fleisch ist entscheidend – und hängt direkt von Haltung und Herkunft ab
  • Was Du kaufst und woher es kommt, macht den entscheidenden Unterschied

Warum ist rotes Fleisch in Verruf geraten?

Der wichtigste Auslöser für die öffentliche Diskussion war eine Einschätzung der Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC/WHO 2015). Im Jahr 2015 klassifizierte die IARC verarbeitetes rotes Fleisch wie Wurst, Schinken und Salami als Gruppe 1 – eindeutig krebserregend. Unverarbeitetes rotes Fleisch wurde als Gruppe 2A – wahrscheinlich krebserregend bei hohem Konsum eingestuft.

Das klingt alarmierend. Was viele Berichte dabei unterschlagen: Die IARC-Klassifikation bewertet nur, ob ein Stoff grundsätzlich Krebs auslösen kann – nicht, wie hoch das Risiko im Alltag tatsächlich ist. In derselben Gruppe 1 wie verarbeitetes Fleisch befinden sich zum Beispiel auch Alkohol und Tabak. Dass Alkohol für die Gesundheit bedenklich ist, würde niemand bezweifeln. Ob ein gelegentliches Steak genauso problematisch ist wie regelmäßiger Alkohol, ist eine andere Frage.

Dazu kommt: Die DGE empfiehlt, maximal 300 bis 600 Gramm Fleisch und Wurst pro Woche zu essen. Diese Empfehlung zielt vor allem auf verarbeitetes Fleisch ab – ein Weidesteak ist damit nicht gemeint, auch wenn es selten so formuliert wird.

Der entscheidende Fehler in den meisten Studien

Die größten Probleme entstehen nicht durch die Wissenschaft selbst, sondern durch die Art, wie Studien durchgeführt und interpretiert werden. Epidemiologische Beobachtungsstudien zu rotem Fleisch haben einen grundlegenden Schwachpunkt: Sie werfen alle Arten von rotem Fleisch in eine Kategorie.

Wenn Salami und Wildsteak in einer Kategorie landen

Thomas isst jeden Tag zwei Scheiben Salami zum Frühstück, Aufschnitt in der Mittagspause und am Wochenende gegenwürzte Bratwurst vom Grill. Ein Jäger in Bayern isst hingegen dreimal pro Woche selbst erlegtes Wild – Reh, Hirsch, manchmal Wildschwein. In vielen Studien werden beide in der Kategorie „roter Fleischkonsument“ erfasst.

Das Ergebnis ist kein sinnvolles Bild. Verarbeitetes Fleisch mit Nitriten, Phosphaten und anderen Zusatzstoffen und ein Stück naturbelassenes Wild haben völlig unterschiedliche Nährstoffprofile, Fettsäuremuster und Wirkungen auf den Körper. Wer beide zusammenmisst, bekommt eine Aussage, die weder für die eine noch für die andere Gruppe wirklich gilt.

Warum Epidemiologie hier in die Irre führt

Epidemiologische Studien messen Korrelationen – also statistische Zusammenhänge. Sie beobachten, dass Menschen, die viel rotes Fleisch essen, häufiger bestimmte Erkrankungen entwickeln. Was sie nicht messen können: Liegt das wirklich am Fleisch, oder an den vielen anderen Faktoren, die mit einem hohen Fleischkonsum einhergehen?

Menschen, die viel Wurst und Fleisch essen, trinken statistisch gesehen oft auch mehr Alkohol, essen weniger Obst und Gemüse, schlafen schlechter und treiben weniger Sport. Diese sogenannten Confounding-Faktoren lassen sich in Beobachtungsstudien nicht vollständig herausrechnen. Das macht Korrelation und Kausalität schwer trennbar.

Wer also aus Schlagzeilen schließt, dass ein Steak aus der Weidehaltung genauso schädlich ist wie ein Hotdog, zieht die falsche Konsequenz aus unvollständigen Daten.

Die vier Arten von rotem Fleisch – und was sie unterscheidet

Nicht jedes rote Fleisch ist gleich. Die entscheidenden Unterschiede liegen in Verarbeitungsgrad, Haltung, Herkunft und Fettsäuremuster. Diese Tabelle gibt Dir einen Überblick:

FleischtypOmega-3/Omega-6Zusätze / HormoneBewertung
Wild (Reh, Hirsch, Wildschwein)Sehr günstig, ähnlich wie FischKeineSehr empfehlenswert
Weidehaltung-Rind (DE/AT, Bio)Relativ günstigKeine in der EU erlaubtEmpfehlenswert
Konventionelles Stallrind (EU)Ungünstig, Omega-6-lastigKeine Hormone (EU-Standard)Eingeschränkt okay
US-RindfleischUngünstigBis zu 6 Wachstumshormone zugelassenMeiden
Wurst, Salami, Schinken Nicht relevantNitrite, Phosphate, ZusatzstoffeStark reduzieren oder meiden
Hotdog, Fleischersatz-WurstNicht relevantHochverarbeitetMeiden

Wie Du siehst, ist die Bandbreite enorm. Wild und ein Weidesteak vom Biobauern aus der Region haben mit einer Fabrik-Salami kaum mehr gemeinsam als die rote Farbe des Muskelfleisches.

Das Omega-3/Omega-6-Verhältnis – der Kern des Problems

Um zu verstehen, warum Herkunft und Haltung so entscheidend sind, muss man das Fettsäuremuster im Fleisch verstehen. Und hier liegt der eigentliche wissenschaftliche Kern der Fleisch-Debatte – ein Kern, den die meisten Schlagzeilen komplett auslassen.

Was unsere Gene erwarten

Unsere Vorfahren haben über Millionen von Jahren Fleisch gegessen. Aber nicht das Fleisch, das heute in den meisten Supermarktregalen liegt. Sie aßen Wild und Weidentiere – Tiere, die sich bewegten, Gras fraßen und ein ganz anderes Fettsäureprofil hatten als heutige Mastrindrinder.

Ein Wildtier wie ein Karibu oder ein Reh hat ein Omega-3/Omega-6-Verhältnis von etwa 1:2 bis 1:3. Das entspricht ungefähr dem Verhältnis in fettem Seefisch. Unsere Zellen, unsere Entzündungsreaktionen, unser gesamter Stoffwechsel sind auf dieses Verhältnis ausgerichtet – evolutionär bedingt über 2,5 Millionen Jahre.

Was Industriefleisch liefert

Ein Mastochse aus konventioneller Haltung, der den ganzen Tag steht und Getreide gefressen hat, hat ein völlig anderes Fettsäuremuster. Das Omega-3/Omega-6-Verhältnis liegt bei 1:10 bis 1:20. Das bedeutet: Massiv mehr entzündungsfördernde Omega-6-Fettsäuren, deutlich weniger entzündungshemmende Omega-3-Fettsäuren.

Omega-6-Fettsäuren sind nicht per se schlecht. Das Problem entsteht durch das Ungleichgewicht. Wenn der Körper dauerhaft viel Omega-6 und wenig Omega-3 bekommt, verschiebt sich das Entzündungsgleichgewicht in eine ungünstige Richtung. Chronische, niedriggradige Entzündungen gelten als Mitursache vieler moderner Erkrankungen – von Herz-Kreislauf-Problemen bis zu Stoffwechselstörungen.

Das Problem ist also nicht das Fleisch selbst. Das Problem ist, was das Tier gefressen hat – und wie es gelebt hat.

Was Wild und Weidefleisch liefern

Wild- und Weiderinder haben durch ihre natürliche Ernährung und Bewegung ein wesentlich günstigeres Fettsäuremuster. Laut einer viel zitierten Studie von Daley et al. (2010, Nutrition Journal) enthält grasgefüttertes Rindfleisch bis zu viermal mehr Omega-3-Fettsäuren als getreidegefüttertes Stallrind – bei gleichzeitig besserem Omega-3/Omega-6-Verhältnis.

Dazu ist Wild fettärmer insgesamt, weil die Tiere sich viel bewegen. Das Fett, das vorhanden ist, hat eine bessere Qualität. Wild ist außerdem reich an Eisen, Zink, B-Vitaminen und hochwertigem Eiweiß – also genau den Vitalstoffen, die für viele Menschen schwer über andere Lebensmittel abgedeckt werden. Mehr dazu erfährst Du in unserem Artikel zu wichtigen Vitalstoffen und Mikronährstoffen.

Was an rotem Fleisch wirklich problematisch ist

Die Kritik an rotem Fleisch ist nicht grundlos. Es gibt tatsächlich Aspekte, die aus gesundheitlicher Sicht bedenklich sind – aber sie betreffen vor allem bestimmte Kategorien und Zubereitungsformen.

Verarbeitetes Fleisch ist das klarste Problem. Wurst, Salami, Schinken, Hotdogs und ähnliche Produkte enthalten Nitrite, die beim Erhitzen mit Eiweißen zu sogenannten Nitrosaminen reagieren können. Nitrosamine gelten als krebsfördernd. Das ist der Kern der IARC-Einschätzung zu verarbeitetem Fleisch – und der ist berechtigt.

Stark erhitztes oder verkohltes Fleisch – zum Beispiel wenn es beim Grillen schwarz wird – enthält heterocyclische Amine (HCA) und polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK). Diese Verbindungen entstehen durch die Reaktion von Aminosäuren und Zucker bei sehr hoher Temperatur. Auch hier gibt es Hinweise auf krebsfördernde Wirkung. Wer Fleisch grillt, sollte darauf achten, es nicht zu verbrennen.

US-Rindfleisch ist in der EU seit 1989 weitgehend verboten – genauer gesagt: Fleisch von hormonierten Tieren darf nicht in die EU eingeführt werden. In den USA sind bis zu sechs Wachstumshormone für Rinder zugelassen, darunter natürliche Steroide wie Östradiol und synthetische Verbindungen wie Zeranol und Trenbolon. Die Langzeitwirkung auf den menschlichen Körper ist nicht vollständig erforscht. Wer auf der sicheren Seite bleiben will, kauft Fleisch aus Deutschland, Österreich oder anderen EU-Ländern.

Omega-6-lastiges Massentierhaltungsfleisch als Hauptproteinquelle ist ebenfalls ein Problem – nicht wegen eines einzelnen Gerichts, sondern wegen der Summe. Wer täglich Industrierindfleisch isst und wenig Fisch, Nüsse oder andere Omega-3-Quellen zu sich nimmt, verschiebt das Fettsäuregleichgewicht langfristig in eine ungünstige Richtung.

> Wichtig: Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Vorerkrankungen, erhöhtem Darmkrebsrisiko oder spezifischen gesundheitlichen Fragen solltest Du ärztlichen Rat einholen.

Rotes Fleisch beim Abnehmen – geht das?

Ja – wenn Du das richtige Fleisch wählst. Hochwertiges rotes Fleisch ist eine ausgezeichnete Proteinquelle, und Protein ist beim Abnehmen einer der wichtigsten Faktoren überhaupt. Es macht lange satt, schützt die Muskelmasse und hat einen hohen thermischen Effekt – das bedeutet, der Körper verbraucht beim Verdauen von Protein selbst Energie.

Ein Wildgulasch oder ein Steak aus Weidehaltung hat außerdem weniger Fett als Industriefleisch – und das vorhandene Fett ist von besserer Qualität. Wer beim Abnehmen Fleisch essen möchte, fährt mit magerem Wild oder Weidesteak deutlich besser als mit fettreicher Wurst oder Aufschnitt.

Wichtig ist dabei die Begleitung: Fleisch sollte immer mit viel Gemüse, Ballaststoffen und natürlichen Lebensmitteln kombiniert werden. Ein Steak allein macht die Ernährung nicht gesund. Wer verstehen möchte, wie gesundes Abnehmen insgesamt funktioniert, findet dazu eine gute Grundlage in unserem Artikel darüber, wie Du gesund abnehmen kannst.

Wenn Du beim Abnehmen auch die Kohlenhydrate im Blick haben möchtest – was bei einem fleischreichen Essen durchaus sinnvoll ist – hilft Dir unser großer Kohlenhydrate-Guide weiter.

Welches rote Fleisch empfehlen wir?

Die Antwort ist eindeutig: Wild und hochwertiges Weidefleisch aus regionaler Herkunft sind unsere klare Empfehlung. Konventionelles Stallrind ist eingeschränkt okay, wenn es gelegentlich gegessen wird und der Rest der Ernährung stimmt. Verarbeitetes Fleisch – Wurst, Salami, Hotdog – sollte stark reduziert oder ganz gemieden werden.

Auf diese Labels und Hinweise achten

Beim Einkauf lohnt es sich, genauer hinzuschauen:

  • Bio-Siegel (DE-ÖKO oder EU-Bio): Garantiert keine synthetischen Wachstumsförderer und Anforderungen an die Haltung, aber kein Garant für Weidehaltung
  • Weidehaltung / Wiesenrind: Oft am Etikett erkennbar, direkt beim Metzger oder Direkterzeuger nachfragen
  • Direkterzeuger und Hofläden: Oft die beste Quelle für hochwertiges Fleisch mit bekannter Herkunft
  • Wild aus der Region: Beim Jäger, auf Märkten oder bei spezialisierten Metzgern erhältlich – die mit Abstand wertvollste Fleischquelle
  • Herkunftsland: In der EU gelten deutlich strengere Standards als in den USA oder anderen Ländern außerhalb der EU

Wenn Du Wild kaufen möchtest und nicht sicher bist, wo Du anfangen sollst: Viele Jäger verkaufen direkt oder über lokale Wildhandlungen. Es lohnt sich, dort nachzufragen. Ein Artikel zu den Vorteilen von Wild als Lebensmittel folgt in Kürze hier auf Essen-Gesundheit.de.

Wie oft und wie viel?

Eine feste Regel für alle gibt es nicht. Die DGE empfiehlt, maximal 300 bis 600 Gramm Fleisch und Wurst zusammen pro Woche zu essen. Wer das hauptsächlich über Wild und Weidefleisch abdeckt und wenig oder kein verarbeitetes Fleisch isst, ist aus unserer Sicht auf einem guten Weg.

Zwei bis drei Mahlzeiten pro Woche mit hochwertigem rotem Fleisch sind für die meisten Menschen unproblematisch. Wichtiger als eine genaue Gramm-Zahl ist die Qualität des Fleisches und die Qualität des gesamten Ernährungsmusters drumherum. Wer täglich Wild isst und dazu viel Gemüse, Ballaststoffe und gesunde Fette, ist ernährungsphysiologisch in einer anderen Situation als jemand, der gelegentlich ein Weidesteak genießt, aber sonst stark verarbeitete Lebensmittel dominieren lässt.

Für die Gesamtqualität Deiner Ernährung und alle wichtigen Nährstoffe, die Fleisch liefert, findest Du in unserem Überblick zu 47 essentiellen Vitalstoffen einen hilfreichen Einstieg.

Häufige Fragen zu rotem Fleisch

Erhöht rotes Fleisch das Krebsrisiko?

Verarbeitetes rotes Fleisch wie Wurst und Salami wurde von der IARC als eindeutig krebserregend eingestuft – vor allem in Bezug auf Darmkrebs. Unverarbeitetes rotes Fleisch gilt laut IARC als wahrscheinlich krebserregend bei hohem Konsum. Für naturbelassenes Wild oder Weidefleisch in normalen Mengen gibt es keine überzeugenden Belege für ein erhöhtes Krebsrisiko. Die pauschale Aussage „rotes Fleisch erhöht das Krebsrisiko“ ist ohne Differenzierung nach Art und Menge zu vereinfachend.

Wie oft darf ich rotes Fleisch essen?

Wenn Du Wild oder hochwertiges Weidefleisch wählst, sind zwei bis vier Mahlzeiten pro Woche aus unserer Sicht unproblematisch. Verarbeitetes Fleisch sollte so selten wie möglich gegessen werden. Die DGE-Empfehlung von maximal 300 bis 600 Gramm Fleisch und Wurst pro Woche gilt als grober Orientierungswert – sie bezieht sich aber auf alle Fleisch- und Wurstprodukte zusammen, nicht nur auf rotes Fleisch.

Ist Wild gesünder als Rindfleisch?

Aus ernährungsphysiologischer Sicht: ja, tendenziell. Wild hat ein günstigeres Omega-3/Omega-6-Verhältnis, ist magerer, enthält keine Zusatzstoffe und stammt aus natürlicher Haltung. Weidefleisch aus biologischer Haltung kommt Wild am nächsten. Konventionelles Stallrind schneidet in diesem Vergleich deutlich schlechter ab – nicht wegen des Fleisches selbst, sondern wegen der Haltungs- und Fütterungsbedingungen, die das Fettsäuremuster verändern.

Was ist der Unterschied zwischen verarbeitetem und unverarbeitetem rotem Fleisch?

Unverarbeitetes rotes Fleisch ist Muskelfleisch ohne wesentliche Zusätze – ein Steak, ein Wildgulasch, ein Rinderbraten. Verarbeitetes rotes Fleisch wurde durch Räuchern, Pökeln, Fermentieren oder durch Zusatzstoffe wie Nitrite haltbar gemacht oder im Geschmack verändert. Dazu zählen Salami, Wurst, Schinken, Hotdogs und Fleischkonserven. Der Unterschied ist gesundheitlich bedeutsam: Vor allem die Nitrite in verarbeitetem Fleisch und die Kombination aus Zusatzstoffen und industrieller Verarbeitung sind problematisch.

Ist Rindfleisch aus Deutschland sicherer als aus den USA?

Ja, in Bezug auf Wachstumshormone: In der EU ist der Einsatz von synthetischen Hormonen und der meisten natürlichen Steroide zur Wachstumsförderung bei Nutztieren verboten. In den USA sind sechs Wachstumshormone zugelassen. Fleisch aus Deutschland oder anderen EU-Ländern unterliegt strengeren Vorschriften. Das bedeutet nicht, dass konventionelles deutsches Rindfleisch automatisch ideal ist – aber es ist hormonell deutlich unbelasteter als US-Importe.

Kann ich rotes Fleisch essen, wenn ich abnehmen will?

Ja. Hochwertiges rotes Fleisch – vor allem Wild und Weidesteak – ist eine ausgezeichnete Proteinquelle beim Abnehmen. Protein macht satt, schützt Muskelmasse und hat einen hohen Sättigungseffekt. Verarbeitetes Fleisch wie Wurst hingegen enthält oft viel Fett, Salz und Zusatzstoffe und ist beim Abnehmen keine gute Wahl. Die Kombination aus magerem rotem Fleisch, viel Gemüse und wenig stark verarbeiteten Beilagen ist aus unserer Sicht eine sehr alltagstaugliche Grundlage.

Welches rote Fleisch ist gesund?

Wild ist das gesündeste rote Fleisch – Reh, Hirsch und Wildschwein haben ein natürliches Fettsäuremuster, keine Zusatzstoffe und wenig Fett insgesamt. Weidefleisch aus biologischer Haltung kommt dem am nächsten. Konventionelles Stallrind ist in Maßen vertretbar. Verarbeitetes rotes Fleisch wie Wurst, Salami und Schinken ist aus gesundheitlicher Sicht am problematischsten – unabhängig vom Konsum-Niveau.

Warum gilt Weidefleisch als gesund?

Weidefleisch gilt als gesund, weil Weidekühe Gras fressen und sich bewegen – beides verändert das Fettsäuremuster des Fleisches grundlegend. Weidefleisch gesund essen bedeutet: mehr Omega-3, weniger Omega-6, ein ausgewogeneres Verhältnis als bei Stallhaltung. Das entspricht dem Fleischprofil, auf das unser Körper evolutionär ausgerichtet ist.

Warum schaden Nitrite in der Wurst?

Nitrite werden als Konservierungsmittel eingesetzt – sie verhindern das Wachstum von Bakterien wie Clostridium botulinum und geben Wurst ihre rötliche Farbe. Das Problem entsteht beim Erhitzen: Nitrite können mit Aminosäuren zu Nitrosaminen reagieren, die als krebsfördernd gelten, insbesondere für den Darm. Wer gelegentlich eine Scheibe Schinken isst, muss sich keine übertriebenen Sorgen machen. Wer aber täglich Wurst isst, nimmt über Monate und Jahre eine relevante Nitrit-Last auf.

Fazit: Wann rotes Fleisch gesund ist – und wann nicht

Die Frage „Ist rotes Fleisch gesund?“ lässt sich nicht pauschal beantworten. Die richtige Frage ist: Welches rote Fleisch, woher, wie zubereitet und wie oft?

Wild und Weidefleisch aus regionaler Herkunft sind aus unserer Sicht keine Gefahr, sondern wertvolle Lebensmittel mit einem natürlichen Nährstoffprofil, das unser Körper kennt. Die meisten Bedenken gegen rotes Fleisch treffen auf verarbeitetes Industriefleisch zu – Wurst, Salami, Hotdog, Schinken – und auf Fleisch aus Massentierhaltung mit ungünstigem Fettsäuremuster.

Die Empfehlung ist deshalb nicht: iss kein rotes Fleisch. Die Empfehlung ist: Achte auf die Quelle. Kauf beim Metzger oder Direkterzeuger. Wähle Weidehaltung oder Bio. Probiere Wild, wenn Du die Möglichkeit hast. Reduziere Wurst und Salami – nicht weil Fleisch schlecht ist, sondern weil Verarbeitung und Zusatzstoffe das Problem sind.

Wenn Du Deine Ernährung insgesamt gesünder gestalten möchtest, findest Du auf Essen-Gesundheit.de weitere Artikel zu gesunden Lebensmitteln und zu den wichtigsten Vitalstoffen, die Dein Körper braucht.

14. Juli 2026/0 Kommentare/von Stephan Depta
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